Zeit für neue Gewohnheiten

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So und nicht anders gehen Frauen ins Casino – meint das Casino. Foto via werbewoche.ch

SP-Nationalrätin Yvonne Feri (AG) denkt zurzeit laut darüber nach, einen Vorstoss im Parlament einzureichen – es geht um sexistische Werbung. Feri formuliert so vorsichtig, als wüsste sie schon, wie vergeblich ihr Ansinnen ist. «Der Bundesrat soll aufzeigen, wo es Möglichkeiten gibt, sexistische Werbung im öffentlichen Verkehr einzuschränken oder zu verbieten», sagte sie der «Schweiz am Sonntag». Vorbild dieser Idee ist Londons neu gewählter Bürgermeister Sadiq Kahn: Vergangene Woche hat er ein entsprechendes Verbot für alle Fahrzeuge und Haltestellen der städtischen Verkehrsbetriebe erlassen. Kahn ist Vater zweier Töchter im Teenageralter und sieht in solcher Werbung unrealistische Erwartungen an den eigenen Körper gestellt.

Auch in Deutschland läuft die Diskussion: Justizminister Heiko Maas möchte geschlechterdiskriminierende Werbung verbieten. Der Gesetzesentwurf ist noch nicht einmal veröffentlicht, da schlägt Maas bereits grosse Entrüstung entgegen. Bürger sehen sich bevormundet, die Werbebranche zensiert. Sie alle sagen, man müsse die Freiheit bewahren.

Nur: Welche Freiheit meinen sie? Sicher nicht jene der heranwachsenden Frauen, die überall mit normierten und bearbeiteten Frauenkörpern konfrontiert sind und Mühe haben, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln – entblösste Männer sind viel seltener Teil der Werbestrategie. Nein, die Gegner des Verbots fühlen sich um ihr Recht auf Erotik gebracht. Weil die Werbung den weiblichen Körper derart aggressiv benutzt, um Produkte zu verkaufen, macht sie diesen selbst zum Produkt. Der nackte Frauenkörper ist immer schon sexualisiert, er verheisst Erotik. Daran haben sich alle gewöhnt.

Yvonne Feri liegt wohl richtig, wenn sie mit Abwehr rechnet – wenn etwas mächtig ist, dann die menschliche Gewohnheit. (Tages-Anzeiger)

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